1-9 Restaurierung

Château de Versailles

Restaurierungsprojekte

Baumfällarbeiten im Boskett der Apollobäder, um 1775 (Hubert Robert) 
 

« Retten Sie mein armes Versailles ! »
[Louis XVI]


 

Die Hintergründe
«Grand Versailles» ~ Die Phasen
Die Restaurierungsprojekte



Die Hintergründe


Das Versailler Schloss und sein Park befinden sich regelmäßig im Erneuerungszustand. Nur so können nach und nach die wertvollen Fassaden, Dekors und Arrangements erhalten sowie der historische Schlosspark von den Zerstörungen durch vergangene Unwetter (z.B. 1999), aber auch von den witterungsbedingten Einflüssen und den Schäden, die die Zeit mit sich bringt, befreit werden.

Diesen "Erhaltungswillen" in Bezug auf ihr berühmtes Schloss legten die Franzosen jedoch nicht immer an den Tag.
Als die königliche Familie den Palast von Versailles am 6. Oktober 1789 für immer verlassen musste, bat König Louis XVI die zurückgebliebenen Bediensteten, offenbar vorausahnend, nicht ohne Grund: "Retten Sie mein armes Versailles."
Dass die Revolution den Palast nicht vernichtete, verdanken wir letztlich den enormen Kosten, die ein Abriss mit sich gebracht hätte.
Und so fielen Schloss und Park während der Revolution vorerst in eine Art Dornröschenschlaf, der den Verfall der alten Gemäuer und der Gärten einleitete.

Der Umstand, dass Bürgerkönig Louis-Philippe I. den Palast in den 1830ern zu einem Museum auserkor, rettete dem Versailler Schloss sicherlich den Erhalt als Besucherattraktion. Doch auch und gerade Museen bedürfen regelmäßiger Renovierungsmaßnahmen - etwas, das Frankreich leider lange vernachlässigte.
Die beiden Weltkriege taten ihr Übriges und unterbrachen die wichtigen Erhaltungsmaßnahmen.
Es kam, was kommen musste: Versailles stand unmittelbar vor dem Ende. Nur ein Wunder konnte dieses noch abwenden.

Das Wunder geschah:
Die Medienkampagne der Zeitschrift L'Illustration im Februar 1923, die den elendigen Zustand von Versailles beschrieb ("misère de Versailles"), rief den reichen US-Amerikaner John D. Rockefeller Jr. auf den Plan. Im folgenden Jahr richtete sich dieser schriftlich an Frankreich und kündigte eine große Patronage zugunsten des französischen Erbes an. Eine gigantische Spende von Rockefeller ermöglichte den Beginn der Restaurierungsarbeiten im Januar 1925, die nicht nur die Erneuerung der Fassade und Dächer des Schlosses und der Ministerflügel beinhielten, sondern auch die Restaurierung der Orangerie, des Grand Trianon, des Theaters der Königin sowie die Wiederherstellung der Gärten.
Mit weiteren großzügigen Spenden in den folgenden Jahrzehnten sponsorte Rockefeller schließlich 1953 die Restaurierung des Petit Trianon und rettete die Gebäude des Weilers der Königin vor dem Ruin.

Ein landesweiter Spendenaufruf in 1952 sowie diverse Projekte ab 1962 sicherten den Erhalt des Schlosses für weitere Jahre.

Einen herben Rückschlag erlebte die Domäne im Februar 1990, als ein heftiger Sturm die Gärten stark beschädigte. Rund 1.500 beschädigte Bäume mussten in der Folgezeit gefällt werden.

Noch schlimmer kam es fast zehn Jahre später:
In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 1999 fegte der Jahrhundertsturm Lothar durch Europa. In Versailles zerstörte er um die 10.000 alte, teils historische Bäume - die Neubepflanzung des Schlossparkes wurde dringend erforderlich.

Am 30. Oktober 2003 startete das gigantische Renovierungsprogramm «Projet du Grand Versailles».
Das Projekt selbst erstreckt sich über 17 Jahre und umfasst die folgenden drei großen Ziele:

Zum einen beinhaltet das Projekt die Wiederherstellung der historischen Gebäude, Dekors und der Gartenanlagen.
Weiterhin ist das Thema Sicherheit großgeschrieben, u.a. die Versorgung der Versailler Anlagen mit den neuesten technischen Standards in Sachen Elektronik, Klimatisierung, Brandschutz, Sanitäranlagen, aber auch bezüglich der Diebstahlsicherung.
Das dritte Ziel befasst sich mit den gigantischen Touristenströmen. Es fordert einen bequemeren Empfang, bessere und lesbare Informationen für die Besucher sowie die Übersichtlichkeit und Vereinfachung bei den Parcours durch das Schloss.

Das für das 17-jährige Projekt vorgesehene Budget beläuft sich auf ca. 500 Millionen Euro.

Neben dem Staat als Hauptfinanzierer, werden die notwendigen Restaurierungen von zahlreichen Institutionen und privaten Geldgebern unterstützt, wie z.B. die französische Gesellschaft La Société des Amis de Versailles oder deren amerikanisches Pendant American Friends of Versailles und viele mehr. Die Finanzierung durch solche Spender deckt etwa 5 % der Gesamtfinanzierung ab.

Das Großprojekt soll (wie bereits beschrieben) jedoch nicht nur Altehrwürdiges erhalten/erneuern, sondern auch das Tagesgeschäft regeln, u.a. die Touristenströme, die Ein- und Ausgänge, bequemere und überschaubare Parcours im Schloss, zeitgemäße Brandsicherung, Elektronik, Sanitäranlagen, Boutiquen und
Restaurants.

Während diese Dinge unweigerlich erfüllt werden müssen, sorgen einige Themen der Instandhaltung der Domäne für heftige Streitereien:
Da so ziemlich jeder Bereich im Schloss und im Park erneuert werden muss, fragt man sich, welche Bereiche Vorrang haben. Für die einen ist es das Bosquet des Dômes, andere sehen die stark beschädigte Kinderinsel sowie das im schlechten Zustand befindliche Latona-Bassin als dringlicheren Fall an. Und während die einen den seit dem 1999er Sturm nicht behobenen Wasserschaden in den Gemächern der Madame du Barry als skandalösen Zustand betiteln, geben die Verantwortlichen derweil der Vergoldung der Dachornamente den Vortritt. Aber auch die neuerliche Ansicht der Verantwortlichen, einige Bereiche nicht mehr in ihren Urzustand (17. Jahrhundert) zu versetzen, sondern zu moderniesieren (wie z.B. das neuerliche Antlitz des ehemaligen Wassertheaters), führt zu heftigen Diskussionen. Gleiches gilt für die modernen Ausstellungen, die seit einigen Jahren in Versailles veranstaltet werden. Fans des 17./18. Jahrhunderts empfinden diese modernen Ausstellungen in den historischen Hallen des Palastes oder im Garten als unpassend, andererseits bringen solche Events viel Geld in die Kassen, was wiederrum dem Erhalt der Domäne zugute kommt.
Die Arbeit, die in Versailles auf Restauratoren wie Spender wartet, ist ohne Frage schier immens.

Zumindest kann (oder muss) man zwischenzeitlich vermelden, dass manches Vorhaben aufgrund enormer Kosten entgültig ad acta gelegt werden musste.
So z.B. der Wunsch, das alte Labyrith des Sonnenkönigs wiederaufleben zu lassen, wofür man das Boskett der Königin hätte zerstören müssen.
Auch wurde, wie bereits erwähnt, das Vorhaben, das alte Wassertheater wieder zu errichten, eingestellt. Es entstand dort nun ein moderner Garten.

Unerwähnt bleiben darf zudem nicht das große Engagement der oben bereits angesprochenen und von mir hochgeschätzten Société des Amis de Versailles, die seit über 100 Jahren ihr Bestes gibt, um Versailles mit ehemaligem Eigentum wiederzubeleben und zu erhalten. Bedeutend war sicherlich u.a. der im Jahr 1992 verbuchte Erfolg des Erhalts des denkmalgeschützten Camps des Matelots et des Mortemets. Das 124 ha große Gebiet im Westen des Schlossparks stand kurz vor dem Verkauf an Bauinvestoren. Nicht etwa die für den Erhalt des Schlosses zuständigen Beamten verhinderten den Verkauf, sondern die Société des Amis de
Versailles
.

Es bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen künftig behutsamer mit dem Schatz Versailles umgehen und die zur Verfügung stehenden Mittel sinnvoll einsetzen.

"Rettet mein armes Versailles !", sprach König Louis XVI in weiser Voraussicht...



«Grand Versailles» ~ Die Phasen

 

Phase 1
2004 - 2012

Budget: 159 Mio. €

In einer Vorstufe des Großprojektes wurde bereits zwischen Ende 2001 und Sommer 2003 der Gabrielflügel restauriert und damit der Grundstein für einen Teil der geplanten Maßnahmen (Regelung des Besucherandrangs, Sicherheitsmaßnahmen) gelegt.

Das Vorhaben
Zeitplan: 2003-2009

2004-2006:
In dieser Zeit soll ein Teil des Grand Commun restauriert werden. Dies dient zum einen dem Umzug diverser Abteilungen der Schlossverwaltung (bis dahin mit Sitz im Palast) ins Grand Commun und zum anderen der Verbesserung der Sicherheit in der Versailler Domäne.
Die eigentlichen Baumaßnahmen sollen im Herbst 2005 beginnen und Ende 2006 fertiggestellt sein, so dass die ersten Abteilungen Anfang 2007 ins Grand Commun umziehen können.
Gleichzeitig sollen in 2005/2006 sämtliche technischen Anlagen (darunter Brandschutz und Notausgänge, vor allem im Opernhaus) im Zuge einer großangelegten Renovierung modernisiert werden, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

2007/2008:
In dieser Zeit soll das Hauptgebäude des Schlosses saniert werden.
Ziel wird dabei die Reorganisation ders öffentlichen Besucherempfangs sowie der diversen Dienstleistungen, aber auch der Schlossrundgänge sein. Zudem steht die weitere Modernisierung technischen Ausstattung des Schlosses auf dem Programm:
• Sanierung des Dufour-Pavillons
• Einrichtung touristischer Dienstleistungen im Prinzenhof
• Wiederherstellung der Grille Royale, Einrichtung des ursprünglichen Bodenbelages im Cour Royal sowie Sanierung und Verzierung der Dächer.
Der Zeitplan sieht hierfür zwei Jahre, bis Ende 2008, vor, so dass z.B. der neue Eingangsbereich im Frühjahr 2009 in Betrieb genommen werden kann.

2009/2010:
Dieser Zeitraum befasst sich mit der Komplettsanierung des Erdgeschosses des Nordflügels, die bereits im Herbst 2008 beginnen soll, wenn die großen Arbeiten am Hauptgebäude beendet sind. Während dieser Zeit wird es unweigerlich zu Schließungen einzelner betroffener Schlossbereiche kommen.
Eine der Aufgaben wird es sein, den freien Durchgang zwischen dem Nordparterre und dem Innenhof der Kapelle wiederherzustellen.

Was wurde realisiert?
Zeitplan: 2004-2012

1) Festlegung der Sicherheitsstandards und Modernisierung des Versorgungsnetzes:
• komplette Modernisierung der technischen Anlagen der Oper
• Einrichtung einer Energiezentrale im Grand Commun
• diverse Maßnahmen zur Sicherheit in der Domäne

2) Verbesserung des Besucherempfangs:
• Eintritt über die Pavillons Dufour et Gabriel und die Ministerflügel
• Eintritt ins Petit Trianon seit 2007 über das Maison du Suisse

3) Restaurierungsarbeiten:
• Grand Commun
• Grille Royale
• Vergoldung der Palastdächer
• vereinzelte Boskette im Park

Nach der Restaurierung der Spiegelgalerie unter der großzügigen Schirmherrschaft von VINCI hatten weitere bedeutende Sponsoren während dieser ersten Phase die Erneuerung von Versailles unterstützt, u.a.:

Nexans - Instandsetzung der Elektrizitäts- und Versorgungsleitungen
Monnoyeur - Wiederbeschaffung der Grille Royale und der Vergoldung der Dächer
Montres Breguet - Restauration des Petit Trianon

Phase 2
2012 - 2017

Budget: 171 Mio. €

Das Vorhaben
Zeitplan: 2012-2017

1) Vollendung der Modernisierung der technischen Infrastruktur der Grand Appartements, begleitend zur Sanierung der Dekors:

• Aufrüstung der Heizungs-, Kühlungs- und Sicherheitssysteme sowie des Brandschutzes auf die neuesten und energieeffizienten Standards.

• Im  Zeitraum 11/2012-04/2012 wird dies den südlichen Teil des Hauptgebäudes betreffen:
die Appartements du Dauphin et de la Dauphine, die Salons des Appartement de la Reine in der ersten Etage bis zum Salon de la Paix, einen Teil der Spiegelgalerie, den Salon de l'Œil de Bœuf, sowie drei Säle der historischen Galerien (Salle du Sacre, Salle du Pape, Salle de 1792).
Gleichzeitig mit diesen technischen Baumaßnahmen werden die Dekors von 10 Salons restauriert.

• Im Zeitraum 11/2014-04/2016 folgen die Räumlichkeiten des nördlichen Teils des Hauptgebäudes:
die Appartements de Mesdames, das Appartement du Roi (vom Salon d’Hercule bis zum Salon de la Guerre), der zweite Teil der Spiegelgalerie, das Chambre du Roi sowie das Cabinet du Grand Conseil.
Auch werden in dieser Zeit ebenfalls die Dekors weiterer Salons in der ersten Etage restauriert - analog der kürzlichen und aktuellen Sanierungen im Salon de Mercure und im Salon de l'Abondance 2011/2012.

2) Restaurierung des Château d'Eau sowie Installation von Klimatisierungsanlagen:

• Installation von Kühltürmen an den Ort des ehemaligen Reservoirs, um die Kühlung der Heizsysteme, die im Keller des Grand Commun installiert werden, zu gewährleisten.
Diese Systeme im Grand Commun werden ca. Mitte 2014 betriebsbereit sein und übernehmen dann die zwischen 11/2012 und 04/2013 installierte Klimatisierung des Hauptgebäudes des Palastes.

• Restaurierung des Gebäudes und Wiederherstellung des ursprünglichen Daches.

• Ausbau der Zwischengeschosse, u.a. zur Unterbringung der Abteilung für die Parkbrunnen.

3) Fertigstellung der Baumaßnahmen im östlichen Teil des Grand Commun:

Die Sanierung des Grand Commun (begonnen während der 1. Phase) erlaubt die Unterbringung der Heizungssysteme in diesem Gebäude, aber auch die vorrangige Aufbewahrung der Kunstwerksammlungen.
Auch werden hier künftig sämtliche technischen, administrativen, logistischen und wissenschaftlichen Abteilungen der Schlossverwaltung untergebracht sein, insbesondere jene, die heute immernoch Teile des Palastes (z.B. Dufour-Flügel) belegen.

Während der 1. Phase wurden bereits die Wände und das Dach des westlichen Gebäudeteils sowie dessen Innenbereich saniert. Ende 2012 beziehen die ersten Mitarbeiter diese Räumlichkeiten.
Die Maßnahmen in Phase 2 beinhalten weitere äußerliche Sanierungsarbeiten sowie ebenso die Gestaltung der Innenbereiche.
Der Abschluss dieser Arbeiten sowie die entgültige Einrichtung aller Abteilungen wird für 2014 erwartet.

4) Fertigstellung der technischen Versorgungsgalerie unterhalb des Nordflügels:

Die Versorgungsgalerie unterhalb des Nordflügels wird i.R.d. 2. Phase fertiggestellt und verbindet dann sämtliche betrieblichen Räume des Nordflügels und der Oper.

5) Fortsetzung gewöhnlicher Restaurierungsarbeiten der Gebäude und des Schlossgartens:

• Die 2. Phase beinhaltet zudem gewöhnliche Restaurierungsarbeiten, die direkt von der Schlossverwaltung durchgeführt werden (ohne das hierfür Spendenaktionen und Ausschreibungen erfolgen). Dies betrifft u.a. die Dächer des Herkulessalons, der Kapelle, der Spiegelgalerie, des Dufour-Pavillons sowie des Trianon-sous-Bois, aber auch diverse Holzarbeiten (über 500 Fenster müssen erneuert werden).

• Weitere Sanierungsmaßnahmen betreffen den Schlosspark (u.a. die Südboskette, das Midi-Parterre, die Alleen, aber auch den Park von Marly.
Die Bassins und Brunnen profitieren ebenso von den Maßnahmen.

Was wurde realisiert?
Zeitplan: 2012-?

?

Phase 3
2018 - 2021

Budget: ?

Das Vorhaben
Zeitplan: 2018-2021

Das Hauptaugenmerk der 3. Phase wird auf dem Südflügel, den Großen Marställen und den Nebengebäuden in der Stadt liegen.

• Renovierung der technischen Einrichtungen im Südflügel.

• Renovierung der technischen Einrichtungen des Grand Trianon und des Petit Trianon.

• Einrichtung neuer Ausstellungsräume (Salles d'expositions temporaires) im Aile de Saint Cloud der Grande Ecurie.

• Restaurierung des Süd- und des Nordparterres sowie des Neptun-Brunnens.

• Vollendung der Restaurierung und der Reinigungsarbeiten im Bereich des Schweizer Beckens und des Grand Canals.

Was wurde realisiert?
Zeitplan: ?



einzelne Restaurierungsprojekte


Nachfolgend möchte ich ein paar Restaurierungsprojekte (sowohl abgeschlossene, als auch laufende und geplante) vorstellen und einen Überblick über deren Entwicklung und Fertigstellung geben.

Dabei unterteile ich der Übersichtlichkeit halber in die Projekte am und im Palast sowie im Petit Parc (z.B. Boskette) und im Grand Parc (z.B. Trianonschlösser):


Restaurierungsprojekte im Palast

Restaurierungsprojekte im Petit Parc

Restaurierungsprojekte im Grand Parc


 

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